Sonntag, 23. Juli 2017

Das Kromski Minstrel Spinnrad



Schon vor ein paar Wochen zog ein neues Rad bei mir ein. Es sollte ein Doppeltritt Spinnrad sein, das sowohl Ein- wie Zweifädig betrieben werden kann.

Das Paket ist da!

Besonders interessant dabei - welches Zubehör ist möglich? Unschlagbar war für mich das Preis-Leistungsverhältnis und die Möglichkeit sehr schnell, als auch sehr langsam mit diesem Rad mühelos bewältigen zu können.
Ein Rocken findet sich auch im Zubehör, Flachs spinnen wollte ich schon immer mal machen. Nicht aus dem Kammzug, nein auf die traditionelle Art und Weise.
Als nun noch der Great Jumbo Flyer angekündigt wurde....Spulen mit 700g Fassungsvermögen...ok, die müssen erst einmal bewegt werden....aber es gibt ja einen Doppeltritt. 

Hinzu kommt das ich eine Schwäche für Kromski Räder habe, das Design gefällt mir meistens, manchmal etwas zu schnörkelig. Aber insgesamt stimmig. Sehr liebenswert fand ich einen Beitrag zur Auswahl der Hölzer die Kromski verwendet. Nix von wegen billig! Die kennen jeden Baum der da aufgesägt wurde und haben ihn eigenhändig ausgesucht. Es werden ausschließlich Birken und Erlen aus ihrer Gegend  (Wolsztyn) verwendet. Ein Landstrich der mich sehr an meine eigene Heimat erinnert, mit seinen Seen und Wäldern. Vielleicht liegt es auch daran. 

Entdeckt habe ich das Rad beim Wollschaf, es war ein Vorführmodell. Innerhalb von sensationellen 2 Tagen stand es bei mir. Toller Service vom Wollschaf als auch von DHL.



Der Deckel ist offen - gleich oben auf die Anleitung - gut mitgedacht.


Sorgfältig alles auspacken und vorsortieren.


Dabei entstand ein ganz schöner Papierberg, schade das ich kein Polnisch kann.
Kreuzworträtsel, Fernsehzeitung....

Schließlich stand der ganze Bausatz vor mir, samt Nervennahrung.

Eine erste Ansicht der Teile ergab das hier, eines der Beine schien beschädigt zu sein.
Parallel hatte ich die Anleitung offen - es gehört so. 
Jetzt begann der Spaß erst richtig, die Anleitung ist einfach zu verstehen,ein bisschen wie bei Ikea. Ich war so aufgeregt, wollte aber alles richtig machen. Also langsam an die Sache ran! Nochmal auf Youtube die Anleitung von Tim Talks angesehen. So gewappnet ging es sehr schnell. 

Das Rad sitzt, jetzt noch die Details.


Knechtverbindung
Als nächstes habe ich den Flügel und den Antriebsriemen (zweifädig) angebracht, dabei gleich die waagerechte Position des Flügels als Maß genommen, damit später der Flügel beim Spinnen auch ganz waagerecht liegt. Überraschender Weise hat mein Antriebsriemen bereits 2 Knoten und war offen, es lag ein kurzes, 2. Band dabei. Aber selbst alle zusammengeknotet ergaben nicht den Umfang. Glücklicher Weise hatte ich das Reparaturset des Wettbewerbers im Hause. So läuft meine Minna nun mit einem Ashford Antriebsriemen. 


Danach habe ich das Schwungrad und den Antriebsriemen so aufeinander abgestimmt, das das Rad und der Riemen genau laufen. Damit meine ich das das Schwungrad sich frei drehen kann und beide Riemen genau am Rand des Rades laufen (ohne zu schaben). Das habe ich beim Polonaise gelernt - so läuft das Rad besser.

So sollte es aussehen.
Als ich das Rad nun vom Fleck nahm um es anzuspinnen wackelten die Tritte bedenklich. Ein Anspinnen zeigte auch schnell das sie auf  Wanderschaft gingen. Eigentlich ging das Spinnen nur mit einem Tritt. So ein Frust! Was hatte ich nur falsch gemacht?! Habe dann mal bei Ravelry nachgefragt, bin ja nicht die erste Minstrel Besitzerin. Ich hatte da nämlich mal etwas ähnliches über das Rad gehört. Und tatsächlich - ein bekanntes Problem. Eine Schwachstelle. Behoben wird es indem man die Vorderbeine nach Innen dreht und so die Trittachse verkeilt. Ich hatte inzwischen eine andere Lösung gefunden - Runde Filzgleiter aus hartem Industriefilz. Nachdem mir beim Hocker schon Beine abfielen, klebe ich die Beine meiner Räder ein. Ich weiß - man sollte nicht.


Ein Filzgleiter halbiert reicht pro Seite, zuvor mit reichlich Öl getränkt.

Danach war das Spinnen ein Genuss, lautlos, stabil und schnell. Bequemer geht es nur noch elektrisch.
Habe sie Minna getauft.

Das erste Projekt mit Minna. Hier sitzt der Wirtel noch verkehrt herum.
Auch etwas gelernt - bisher nie aufgefallen - beim einfädigen Spinnen gehört der größere Wirtel nach hinten. Beim zweifädigen Spinnen muss der Wirtel anders herum, also der große Wirtel nach vorn (zu mir) zeigen.

Minnas erstes Garn








Sonntag, 9. Juli 2017

Frühlingsröllchen


Während des Kurses in Wernau besuchte mich der Osterhase und brachte ein paar wunderschöne Merino-Faser-Eier vorbei. Nicht lange danach wollte ich sie sogleich in ein frühlingshaftes Garn umwandeln, denn das Wetter vor der Türe ließ noch auf tiefen Winter schließen: Schnee, Hagel, Regen im Wechsel.


Ich war neugierig wie die Farben zusammen aussehen, wenn man sie per Blending Board (Kardierbrett) oder per Wild Carder (Kardierer) bearbeitet. Welche Unterschiede wird es geben?  Ein wenig Glitzer musste auch noch sein. Auf dem Blending Board entstanden dann diese streng nach Farben getrennten Rolags (Röllchen). 


Den 2. Teil der Fasern habe ich kardiert ohne eine Farbfolge einzuhalten und als Batt (Vlies) verarbeitet. Nach einer Spinnprobe mit der Handspindel fand ich beide (Rolag und Batt) als super und stiegt aufs Rad um. Eine gute Sache um das neue Rad einzuspinnen. 


Das Garn ließ sich superschön ausziehen - es geht nichts über frisch zubereitete Fasern - und war eine wahre Freude zu spinnen. Obwohl Rolags und Batts eigentlich für das Spinnen von Streichgarnen gedacht sind, spann ich im kurzen Auszug. War kein Problem, besonders das Batt war so locker, das sich nirgends Knötchen oder Klümpchen bildeten.  

Hier das Garn das aus den Rolags entstand, in Kettenzwirn damit die Farbfolge erhalten bleibt.
Das entstandene Garn glitzert nun in fröhlichen Farben gegen die Dunkelheit an. Zwischen den beiden Strängen kann ich keinen Unterschied ausmachen, beide Garne sind gleich dick und gleich weich. Einzig die Farbfolge ist anders, da ich beim Batt eine Durchmischung zugelassen habe. Kardierbrett und Kardierer liefern also ähnliche Ergebnisse. Wäre ja auch ungewöhnlich wenn nicht, oder?

Hier der Link zum Ravelry Projekt mit den technischen Details.


Sonntag, 25. Juni 2017

Cameo



Jedes Mal wenn ein Projekt fertig ist bin ich ein wenig traurig, denn das Werkeln an diesem guten Stück ist vorüber. Ich bin was man einen Prozess-Stricker nennt, also nicht zwingend Ergebnisorientiert. Wichtiger sind mir die Erfahrungen die ich mit dem Herstellungsprozess mache.


Diese Jacke zu stricken war von Anfang bis Ende ein Genuss, die Anleitung perfekt bis zur letzten Masche. Selten genug stricke ich mit dem Originalgarn, was hier der Fall war. Ein richtiger Luxus, der mir zusätzliche Sicherheit gab das Richtige zu tun, denn der Schnitt fügt sich erst im letzten Schritt zusammen. Ich habe sie etwas länger gearbeitet, steht mir besser. Das entstehende Gestrick ist sehr elastisch - also Obacht bei der Garnwahl und Maschenprobe. Letztere solltet Ihr unbedingt anfertigen! Ich habe Größe 40 gestrickt, obwohl ich Größe 48 trage. Die Jacke passt wie angegossen.


Die Anleitung für diese Jacke namens Cameo stammt aus dem Heft "Whisper" von Kim Hargreaves. Sie ist meiner Meinung nach eine der besten Designerinnen in Bezug auf klassische Schnitte und zeitlose Eleganz. Was sie macht passt, ist aber nicht unbedingt einfach nachzuarbeiten. Sie hat eine ganz besondere Art ihre Anleitungen zu schreiben. Einmal eingewöhnt, klappt es aber super und ihr Stil macht im Rückblick Sinn. Das Muster hier sieht aus wie Patent ist es aber nicht, ist viel einfacher und sehr clever. Besonders die Raglanschrägen finde ich toll.



Gearbeitet aus der schönen Rowan All Seasons Cotton in Farbe 246. Schön zu stricken und sehr angenehm auf der Haut. Ein schönes Teil für den Übergang oder an kühlen Abenden, sie hält gut warm. Die weiten Ärmel passen über jedes andere Kleidungsstück, sogar über Fledermausärmel.

Mehr zum Projekt und weitere Links auf meiner Ravelry Seite.




Donnerstag, 15. Juni 2017

Vom Flausch zum Sofakissen


An einem heißen Junitag 2015 begann das Abenteuer, von der rohen Faser zum fertigen Projekt. Was es werden sollte wusste ich am Anfang noch gar nicht. War neugierig auf den Verarbeitungsprozess. Ein ganzes Vlies habe ich mir nicht zugetraut, aber ein kleines Faserpaket schon. So wurde ich auf Etsy und auf Grazing Grass Acres aufmerksam, die von allen Kunden hochgelobt wurden. Das kann ich voll bestätigen.

Wie alles begann, Link zum Projektstart.

Heute tränen mir ein wenig die Augen wenn ich die wunderschönen Fasern auf dem Bild sehe. Heute hätte ich sie ganz anders behandelt. Aber ohne diesen Schritt hätte ich das wohl nicht gelernt. Mittlerweile wüsste ich, das ich die extrem feinen Rambouillet Fasern viel sensibler hätte behandeln müssen. Eine tolle Anleitung dazu hat Judith MacKenzie in ihrer DVD "A Spinners Toolbox". Nun, es ist dennoch etwas Gutes daraus entstanden.

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Als dann dieses "Garn" aus meinen so mühevoll und sehr liebevoll (aber Laienhaft) behandelten Fasern entstand, war mir echt zum Heulen. Das hatte ich mir anders vorgestellt! Die Fasern waren so weich! Und ich spinne ein knubbeliges dickes Garn daraus, übrigens nicht im langen Auszug, was vieles noch verbessert hätte. Hier mal der Link zum damaligen Ravelry Projekt.

Man spricht ja oft von Transformationen in der Faserwelt, und es ist keine Übertreibung: Erst fluffige, stark nach Schaf müffelnde, klebrige, gelbliche Fasern - dann schneeweißes Klümpchengarn ("Artyarn") - und nun...ich konnte es kaum fassen:

Auf dem Webrahmen entwickelten sich diese Klümpchen zu richtigen Stars, es war eine Freude damit zu Weben:
Hangesponnene Rambouillet Fasern (Strukturgarn) und ungesponnene Island-Plattenwolle
Bereits auf dem Rahmen fühlten sich die Fasern ganz kuschelig an. Nach einer Weile wurde es allerdings sehr anstrengend mit den etwas eintönigen Farben zu weben. Ich habe mich zwingen müssen....die ungesponnene Plattenwolle riss ständig beim kleinsten Zug und mir bald der Geduldsfaden. Irgendwie habe ich mich durchgekämpft....ich WOLLTE diese Kissen!


Nachdem das schier endlose Weben beendet war und ich stolz wie Bolle. ;-) Begann ein neuer Abschnitt für die Fasern aus dem fernen Amerika. Netti musste nähen....das kann ich nicht gut. Warum ich als Hotelfachfrau nicht auf Kissen mit Hotelverschluss kam wird wohl nie mehr zu klären sein. Ich hatte mir Reißverschlüsse eingebildet. Nach dem ersten Kissen streikte meine Nähmaschine, obwohl nichts Ungewöhnliches passiert war. Nun, sie ist ein preisgünstiges Model von Victoria und immerhin 17 Jahre alt geworden. Also gab es nun 2 Kissenhüllen von Hand zu nähen, was sich als schnell und einfach herausstellte.

Das Kissen in der Mitte zeigt stolz seinen Reißverschluss-Zipper
Im Moment kuschele ich mit ihnen als seien es zerbrechliche Wesen - so viel Mühe für 3 Kissenhüllen. Da bekommt man gleich noch mehr Respekt vor unseren Vorfahren, die jedes Textil von Hand herstellen mussten. Richtig gut kommt jetzt auch die gelblich beige Plattenwolle raus, die perfekt zum weißen Rambouillet passt.



Mein nächstes Traumprojekt wäre eine Decke in den gleichen Farben, etwas angerauhtes Mohair würde bestimmt super aussehen. Naja - ich lese lieber hier noch ein/zwei Mal nach, bevor ich wieder so ein Großprojekt starte. 

Sonntag, 11. Juni 2017

Weihnachten kann kommen


Das Klöppeln in Wernau war wieder ganz prima, inzwischen war ich schon 2 mal wieder dort. Gerade wird das Gästehaus modernisiert, so dass wir Tageskurse besucht haben. Hat auch seinen Reiz, besonders schön war aber das Frühlingswetter.





Ein Kurs drehte sich ganz um das Thema Edelstahl-Schmuck klöppeln. Ich hatte es selbst zu Hause schon probiert und war sehr neugierig auf Tipps und Tricks im Umgang mit dem etwas schwierigen Material. Birgit Härtel von Amazing Lace leitete den Kurs. Sie ist Textildesignerin und spezialisiert auf das Klöppeln von Schmuck. Sie hatte einen ganzen Tisch mit verschiedenen Mustern dabei und beriet jeden von uns hinsichtlich seines Könnens und den dann möglichen Werken. Dann wurden schon die Klöppel mit hauchdünnem Edelstahl gewickelt und los ging's. Der Tag verging wie im Flug und Frau Härtels ruhige und angenehme Art trotz vollem Klassenraum war bemerkenswert. Tatsächlich hatte am Ende des Tages jeder Teilnehmer ein Schmuckstück in der Hand. Hier mein Werk:

Kettenanhänger aus Edelstahl.

Der andere Wernauer Kurs bei Margret bot mir die Möglichkeit ich endlich meinen Weihnachtsstern in Ruhe fertigzustellen. Ich war sehr langsam, was auch am superfeinen Garn lag das ich verwendete. Denn so hatte ich mehr Klöppelpaare als normal zur der Anleitung gehören. Das Ergebnis ist toll, ein ganz feines Gewebe ist entstanden. Ich freue mich jetzt schon auf Weihnachten! Schaut' mal:


Der Arbeitsplatz



Die letzten Zentimeter - Endspurt.


Trocknen im Freien bei schönsten Sonnenschein.


Fertig in den Rahmen eingesetzt - Hurra - er passt!

Es sind noch viele Fehler im Stern, aber ich habe sehr viel gelernt. Um die Ecke klöppeln zum Beispiel, jede Ecke sieht leider ein wenig anders aus. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich das kapiert hatte. Aber jetzt kann man mich nachts wecken und ich klöpple um jede Ecke. Naja - so lange es sich um Torchon und Leinenschlag handelt....und um einen Weihnachtsstern. Grins

Ein großer Dank geht an Margret und alle Kursteilnehmer die mich immer wieder ermutigen dran zu bleiben. Wisst Ihr, beim Klöppeln lernt man Probleme kreativ zu lösen. Das ist es was ich daran so besonders finde.

Alles Liebe.
Eure Netti