Sonntag, 19. November 2017

Boxy & Buttony


Ein neues Langzeitprojekt wurde fertig, dieses Mal von Anno 2014. Also nur 3 Jahre alt (siehe Featherweight Blog von voriger Woche). Auch hier haben mich die ewig langen Runden ausgebremst. Aber alles andere am Projekt lief perfekt.


Wunderschönes Garn von Dibadu - Cool Merino - in der Färbung "Versunkene Stadt"! Leicht zu stricken, wurde noch weicher nach dem ersten Waschen. Trägt sich unsagbar schön auf der Haut. Die Farben leuchten...herrlich!

Die 12 einfachen Knöpfe hatte ich hier vor Ort in einem Knopfgeschäft erstanden, das es leider nicht mehr gibt. War wirklich praktisch mit dem Projekt in den Laden zu gehen und zu testen. Ich hätte sonst nie perlmuttfarbene Knöpfe für das Teil gewählt, sondern eher etwas Unauffälligeres. Die Knöpfe sind nur Deko, die geknöpfte Blende ist ein Designelement.

Hier im Bild links ist das Vorderteil gefaltet an der Puppe befestigt, das Teil wäre sonst nicht oben geblieben. 

Die Anleitung Boxy & Buttony von Joji Locatelli ist leicht verständlich geschrieben. Das Oberteil mit Knopfleiste hat eine sehr interessante Konstruktion, die Spaß macht. Leider hatte ich ab dem Satz: "...und nun 40cm in Runden..." etwas die Lust verloren. Aber das ist nicht Schuld der Designerin!

Die letzten Meter Garn zogen sich sehr...aber konnte nicht aufhören, so habe ich eben nachts um 2 Uhr abgekettet, das Teil übergezogen und bin glücklich eingeschlafen :-) 

Nach dem Wollbad wurde der Pulli noch weicher, die Ärmel (ohne Spannen) sogar noch etwas länger. Hatte eigentlich Ärmel bis zum Ellenbogen vorgesehen, weil das Garn knapp wurde; nun sind es 3/4 Ärmel. Auch gut. 

So breit wie mein Besenstiel lang ist...jetzt weiß ich warum das so gedauert hat.
Geändert habe ich in dieser Anleitung nur das Muster in der Mitte. Es hätte mir nicht gestanden. Statt dessen habe ich eines einer Sockenanleitung "Kalajoki" (kostenlos bei Ravelry) ausgewählt und etwas versetzt von der Mitte eingefügt. Finde ich optisch vorteilhafter und zarter. 

So fließt nun ein finnischer Fluss durch meine versunkene Stadt...

Herzliche Grüße,
Eure Netti






Dienstag, 14. November 2017

Featherweight


Bin so froh das ich diesen Beitrag endlich beginnen kann! 6 Jahre und 4 Monate... schreibt Ravelry. Natürlich habe ich nicht diese Zeit benötigt um das wunderschöne Teil zu stricken, aber es war dennoch ein extrem langes Projekt. Ich trage 3XL und stricke mit Lacegarn, Nadelstärke 3mm...alles klar?!

Das wunderschöne Garn dazu habe ich 2010 auf dem Januarius Markt in Murrhardt am Stand von SpinningMartha erstanden. Es ist das Merino Lace Garn in der Farbe Mairegen. Ich fürchte es ist nur noch selten zu bekommen, vielleicht mal in einem Destash (Auflösung eines Wolllagers bei Ravelry). 

Die Anleitung habe ich wieder einmal bei Ravelry heruntergeladen: Featherweight von Hanna Fettig, eine Kaufanleitung, aber es gibt sie auch in Deutsch. Es gibt mittlerweile mehr als 9.000 fertige Projekte ...und das sind nur die, die Strickerinnen ins Netz gestellt haben. Die Anleitung ist offensichtlich sehr beliebt, denn sie bietet eine gute klassische Rezeptur für eine Jacke von oben, nahtlos gestrickt. Sie ist so geschrieben das sie viel Raum für eigene Ideen läßt: z.B. eine eigene Blende entwerfen, Muster einstricken, Reste verwerten. Diese Jacke würde sich super für ein derzeit populäres Fade Projekt eignen...wie man sieht passen auch bunt gemusterte Garne perfekt.


Habe die Anleitung etwas angepasst und im Rücken verkürzte Reihen eingesetzt, dadurch entstanden abgerundete Kanten und ein etwas tieferer Rücken (im Vergleich zu den Vorderteilen). Da das Garn sehr dünn ist, sind die Rundungen sehr sanft geworden, schön.

Den bunten Farben im Mairegen-Garn wollte ich doch noch etwas Ruhe geben, besonders dort wo die Vorderteilkanten aufeinander treffen. Habe deshalb das ringelnde Farbmuster mit einem vertikalen Muster unterbrochen. Sprich: Die Blende wurde in Kraus-Rechts in handgefärbtem Lacegarn in Petrol gestrickt und mit einem Kordelabschluss abgekettet (I-Cord Bind Off). Das ergab schöne Rundungen.

Ein Zufallsprodukt der Abnahmen ist das Pooling (größere Farbansammlungen), das rundherum an der selben Stelle sitzt, sowohl an den Ärmeln, als auch am Rücken. Sieht aus wie gewollt. An den Ärmeln sitzt es genau im Ellenbogen, ganz ähnlich den Flicken die an manchen Pullovern im britischen Stil angebracht sind. Klasse!

Leider ist es draußen gerade sehr dunkel, so das die Farben auf den Bildern nicht genau richtig erscheinen. Denn ein Fotostudio mit Beleuchtungsanlage habe ich nicht. Alle gelb anmutenden Flächen sind Frühlingsgrün, die rötlichen Beerentöne in Natura eher satt Violett bis Pink. Das Türkis und das Petrol sind eigentlich dunkler. Aber insgesamt stimmt der Eindruck, deshalb habe ich es so gelassen.

Die Jacke sitzt perfekt, ein Effekt der Topdown Technik, man kann ja ständig das Teil anprobieren und ggf. Änderungen vornehmen. Habe den Anschlag in einer anderen Größe gearbeitet als die Arme und als den Körper.
Anprobe jederzeit möglich.

Es lohnt sich also auch ganz alte Strickprojekte fertig zu nadeln. Ravelry hilft dabei.

Alles Liebe,
Eure Netti


Sonntag, 12. November 2017

Socken gehen immer (mit)


Grüße Euch alle mit diesem Herbstbild aus dem warmen Wohnzimmer. Wo bleibt nur immer die Zeit?! Immerhin haben wir Stricker(Innen) eine Antwort auf das nasskalte und windige Wetter im November. 


Hier die Variante mit dem Eye of partridge heel.

Diese Socken sind eine Variante der Vanilla Latte Socks von Viriginia Rose Jeannes, eine kostenlose Anleitung auf Ravelry. Dankeschön! Ich stricke sie so oft, das sie mir schon zum Standard geworden ist, denn innerhalb der Anleitung gibt es mehrere Varianten für Fersen und Spitzen. So wird das Stricken nicht langweilig und ist gleichzeitig 'mindless', z.B. kommt die Anleitung mit in den Urlaub, dann habe ich gleich 9 Muster in einem dabei. Spart viel Platz. Leider nur in englischer Sprache erhältlich.





Zum ersten Mal habe ich den Eye of partridge heel ausprobiert, toll! Den mache ich wieder! Kann nicht sagen was die Entsprechung im Deutschen zu dieser Käppchenferse ist. Versetzte Hebemaschen vielleicht? Direkt übersetzt heißt es 'Rebhuhn-Augen'. Hier zeigt sich der Nachteil wenn man zu 80% internationale Anleitungen verwendet. Die Ferse wird durch das Muster verstärkt, sehr angenehm am Fuss. 


Das Garn ist aus der Pairfect Design Linie von Regia (Farbe 07117). Schönes Material, hätte aber gerne kräftigere Farben gehabt. Hätte ich in das Knäul hineinsehen können, hätte ich das Garn nicht gekauft. Jetzt bin ich aber ganz zufrieden mit den Socken, muss ja nicht immer alles leuchten. Das Foto auf der Banderole ist definitiv optimiert worden. 
Sehr bequem war die Lösung mit dem gelben Garn das anzeigt wo der neue Farbrapport beginnt. Trotzdem muss man bei klassischer Anschlagstechnik immer noch schätzen wo man die erste Masche anschlägt. Meine beiden Socken sind nahezu identisch geworden. Einen Wunsch an Regia hätte ich noch: Bitte um einen schönen Namen für Eure Farben: 07117 klingt nicht sehr poetisch. 


Stricken unterwegs
Socken stricke ich fast nur unterwegs, sie sind ja auch so schön klein - perfekt zum Mitnehmen eben. Deshalb wachsen diese Projekte zwar auch langsam aber stetig. Anders sieht es schon bei den Kleidungsstücken aus. Sobald sie eine gewisse Größe haben ist es vorbei mit dem Stricken in Wartezimmern und/oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Ab dann haben es die Projekte schwer bei mir, daheim ist immer etwas zu tun, mich da mal stundenlang hinzusetzen fällt schwer. 





Nur so kann ich erklären (glaube ich) warum das nächste Projekt 6 Jahre und das danach 3,5 Jahre benötigte. Sie sind so schön gelungen das ich im nächsten Beitrag separat über sie schreibe.

Alles Liebe,
Eure Netti



Sonntag, 23. Juli 2017

Das Kromski Minstrel Spinnrad



Schon vor ein paar Wochen zog ein neues Rad bei mir ein. Es sollte ein Doppeltritt Spinnrad sein, das sowohl Ein- wie Zweifädig betrieben werden kann.

Das Paket ist da!

Besonders interessant dabei - welches Zubehör ist möglich? Unschlagbar war für mich das Preis-Leistungsverhältnis und die Möglichkeit sehr schnell, als auch sehr langsam mit diesem Rad mühelos bewältigen zu können.
Ein Rocken findet sich auch im Zubehör, Flachs spinnen wollte ich schon immer mal machen. Nicht aus dem Kammzug, nein auf die traditionelle Art und Weise.
Als nun noch der Great Jumbo Flyer angekündigt wurde....Spulen mit 700g Fassungsvermögen...ok, die müssen erst einmal bewegt werden....aber es gibt ja einen Doppeltritt. 

Hinzu kommt das ich eine Schwäche für Kromski Räder habe, das Design gefällt mir meistens, manchmal etwas zu schnörkelig. Aber insgesamt stimmig. Sehr liebenswert fand ich einen Beitrag zur Auswahl der Hölzer die Kromski verwendet. Nix von wegen billig! Die kennen jeden Baum der da aufgesägt wurde und haben ihn eigenhändig ausgesucht. Es werden ausschließlich Birken und Erlen aus ihrer Gegend  (Wolsztyn) verwendet. Ein Landstrich der mich sehr an meine eigene Heimat erinnert, mit seinen Seen und Wäldern. Vielleicht liegt es auch daran. 

Entdeckt habe ich das Rad beim Wollschaf, es war ein Vorführmodell. Innerhalb von sensationellen 2 Tagen stand es bei mir. Toller Service vom Wollschaf als auch von DHL.



Der Deckel ist offen - gleich oben auf die Anleitung - gut mitgedacht.


Sorgfältig alles auspacken und vorsortieren.


Dabei entstand ein ganz schöner Papierberg, schade das ich kein Polnisch kann.
Kreuzworträtsel, Fernsehzeitung....

Schließlich stand der ganze Bausatz vor mir, samt Nervennahrung.

Eine erste Ansicht der Teile ergab das hier, eines der Beine schien beschädigt zu sein.
Parallel hatte ich die Anleitung offen - es gehört so. 
Jetzt begann der Spaß erst richtig, die Anleitung ist einfach zu verstehen,ein bisschen wie bei Ikea. Ich war so aufgeregt, wollte aber alles richtig machen. Also langsam an die Sache ran! Nochmal auf Youtube die Anleitung von Tim Talks angesehen. So gewappnet ging es sehr schnell. 

Das Rad sitzt, jetzt noch die Details.


Knechtverbindung
Als nächstes habe ich den Flügel und den Antriebsriemen (zweifädig) angebracht, dabei gleich die waagerechte Position des Flügels als Maß genommen, damit später der Flügel beim Spinnen auch ganz waagerecht liegt. Überraschender Weise hat mein Antriebsriemen bereits 2 Knoten und war offen, es lag ein kurzes, 2. Band dabei. Aber selbst alle zusammengeknotet ergaben nicht den Umfang. Glücklicher Weise hatte ich das Reparaturset des Wettbewerbers im Hause. So läuft meine Minna nun mit einem Ashford Antriebsriemen. 


Danach habe ich das Schwungrad und den Antriebsriemen so aufeinander abgestimmt, das das Rad und der Riemen genau laufen. Damit meine ich das das Schwungrad sich frei drehen kann und beide Riemen genau am Rand des Rades laufen (ohne zu schaben). Das habe ich beim Polonaise gelernt - so läuft das Rad besser.

So sollte es aussehen.
Als ich das Rad nun vom Fleck nahm um es anzuspinnen wackelten die Tritte bedenklich. Ein Anspinnen zeigte auch schnell das sie auf  Wanderschaft gingen. Eigentlich ging das Spinnen nur mit einem Tritt. So ein Frust! Was hatte ich nur falsch gemacht?! Habe dann mal bei Ravelry nachgefragt, bin ja nicht die erste Minstrel Besitzerin. Ich hatte da nämlich mal etwas ähnliches über das Rad gehört. Und tatsächlich - ein bekanntes Problem. Eine Schwachstelle. Behoben wird es indem man die Vorderbeine nach Innen dreht und so die Trittachse verkeilt. Ich hatte inzwischen eine andere Lösung gefunden - Runde Filzgleiter aus hartem Industriefilz. Nachdem mir beim Hocker schon Beine abfielen, klebe ich die Beine meiner Räder ein. Ich weiß - man sollte nicht.


Ein Filzgleiter halbiert reicht pro Seite, zuvor mit reichlich Öl getränkt.

Danach war das Spinnen ein Genuss, lautlos, stabil und schnell. Bequemer geht es nur noch elektrisch.
Habe sie Minna getauft.

Das erste Projekt mit Minna. Hier sitzt der Wirtel noch verkehrt herum.
Auch etwas gelernt - bisher nie aufgefallen - beim einfädigen Spinnen gehört der größere Wirtel nach hinten. Beim zweifädigen Spinnen muss der Wirtel anders herum, also der große Wirtel nach vorn (zu mir) zeigen.

Minnas erstes Garn








Sonntag, 9. Juli 2017

Frühlingsröllchen


Während des Kurses in Wernau besuchte mich der Osterhase und brachte ein paar wunderschöne Merino-Faser-Eier vorbei. Nicht lange danach wollte ich sie sogleich in ein frühlingshaftes Garn umwandeln, denn das Wetter vor der Türe ließ noch auf tiefen Winter schließen: Schnee, Hagel, Regen im Wechsel.


Ich war neugierig wie die Farben zusammen aussehen, wenn man sie per Blending Board (Kardierbrett) oder per Wild Carder (Kardierer) bearbeitet. Welche Unterschiede wird es geben?  Ein wenig Glitzer musste auch noch sein. Auf dem Blending Board entstanden dann diese streng nach Farben getrennten Rolags (Röllchen). 


Den 2. Teil der Fasern habe ich kardiert ohne eine Farbfolge einzuhalten und als Batt (Vlies) verarbeitet. Nach einer Spinnprobe mit der Handspindel fand ich beide (Rolag und Batt) als super und stiegt aufs Rad um. Eine gute Sache um das neue Rad einzuspinnen. 


Das Garn ließ sich superschön ausziehen - es geht nichts über frisch zubereitete Fasern - und war eine wahre Freude zu spinnen. Obwohl Rolags und Batts eigentlich für das Spinnen von Streichgarnen gedacht sind, spann ich im kurzen Auszug. War kein Problem, besonders das Batt war so locker, das sich nirgends Knötchen oder Klümpchen bildeten.  

Hier das Garn das aus den Rolags entstand, in Kettenzwirn damit die Farbfolge erhalten bleibt.
Das entstandene Garn glitzert nun in fröhlichen Farben gegen die Dunkelheit an. Zwischen den beiden Strängen kann ich keinen Unterschied ausmachen, beide Garne sind gleich dick und gleich weich. Einzig die Farbfolge ist anders, da ich beim Batt eine Durchmischung zugelassen habe. Kardierbrett und Kardierer liefern also ähnliche Ergebnisse. Wäre ja auch ungewöhnlich wenn nicht, oder?

Hier der Link zum Ravelry Projekt mit den technischen Details.