Sonntag, 19. Mai 2013

Abenteuer mit Goldrute und Annatto


Die vielen Feiertage haben mir nun endlich Gelegenheit gegeben das Färben mit Pflanzenfarbstoffen selbst zu versuchen. Schon beim Besorgen der Zutaten und einiger Gerätschaften (z.B. ein 20L Edelstahltopf) war die Vorfreude gross - auf die viele freie Zeit und natürlich auf das Abenteuer Färben:

Hier seht Ihr meine Vorbereitungen, die insgesamt 3 Tage in Anspruch nahmen. Fasern einweichen, Kräuter einweichen, Fasern beizen, Farbbad herstellen...etc.

Ich habe mich dabei an meinen eigenen Notizen vom Färbekurs mit Margit Ströbele von "Alte Künste" in Backnang, sowie an den Büchern "Wild color" und "Mit Pflanzen färben-ganz natürlich" orientiert. Sehr interessant fand ich die verschiedenen Herangehensweisen der jeweiligen Färberinnen. 
Erst war es etwas verwirrend und habe deshalb die Bücher mit einander verglichen, wichtige Textstellen markiert, meine eigenen Notizen gemacht. Ganz ähnlich wie man sich früher Schulbücher erschlossen hat.



Endlich war es dann soweit - die Wolle durfte ins Farbbad. Sicherheitshalber wurde ständig die Temperatur überprüft, denn ich hatte gelesen, dass zu heftiges oder zu langes Kochen negative Auswirkungen auf Farbe und Material haben kann. Die Goldrute war so ergiebig, das ich noch einige Liter Farbbad sammeln konnte.

Das Färben mit diesem Kraut war besonders interessant und sehr gut duftend (nach Kräutertee). 
Nach der Färbung sah die Wolle recht langweilig Beige aus.
Ich dachte schon ich hätte etwas falsch gemacht, denn meine Bücher versprachen Grün.
Ebenso die Färbung mit Annatto, die eigentlich Gelb/Orange werden sollte, war ein rötliches Beige.

Wolle nach dem Färben mit Annatto, zusammen mit dem Rührer aus der Annatto-Färbung, der eindeutig bunter ist.
Mir ging der Ausdruck "Schmaugelesbraun" durch den Kopf als ich das Ergebnis sah.
Ein Schritt fehlte noch, das Entwickeln. Ich hatte mich für Eisensulfat entschieden, weil das die Färbebücher als Universal-Entwickler für so ziemlich jedes Material und Farbe empfehlen.
Also Wolle raus, Entwickler rein, Wolle wieder rein und dann verwandelte sich das langweilige Goldruten-Beige in ein Dunkelgrün und die Annatto-Stränge in goldene Schönheiten.

Jetzt nur noch gefühlte 100mal ausspülen.....
Nass hatten die Farben regelrecht geleuchtet (siehe Bild ganz oben).


Die Ausbeute der Färberei: vorn 2 handgesponnene Versuchsstränge, dahinter 5 Stränge Baby-Suri-Alpaka/Merino DK und 2 Kammzüge (BFL superwash).

Besonders freut mich die absolut gleichmäßige Farbaufnahme bei den 5 "goldenen" Strängen - die sollen mal eine Jacke werden. Der vorderste Strang war ein Test wie es sich mit naturgrauer Wolle färbt. Sieht echt schön aus und reizt mich sehr diesen Strang zu verstricken. Der Strang hatte hellbeige und graue Stellen, die natürlich die Farbe anders wiedergeben, aber in sehr harmonischer Art und Weise.

Die Kammzüge waren nach dem Färben dieses Mal wunderbar weich, kein bisschen angefilzt (Dank an die Superwash-Ausrüstung). Ihre Farbwiedergabe ist ganz anders als die der Stränge. Die Farben sind hier viel dunkler, der Kammzug aus der Goldrute ist tief Dunkelgrün (Das Foto gibt es leider nicht her.),
der andere eher ein dunkles Senfgelb.

Ich bin sehr glücklich mit meinen neuen Farben und Möglichkeiten und werde bestimmt wieder Färben.
Was mich so begeistert ist, dass es Färbestoffe aus unserer Natur sind. Die einzelnen Schritte die nötig sind, diese Farbe haltbar zu erschliessen sind zwar aufwendiger als bei anderen Färbeverfahren,
für mich dadurch aber viel interessanter. Ein kleines Abenteuer eben.



1 Kommentar:

  1. Hallo Anette,

    durch puren Zufall endeckte ich gerade deinen Blog.
    Auch ich moechte natuerlich Wolle Farben.
    Aber wo kann ich einfach nur Wolle kaufen die noch nicht gefaerbt ist?
    Hast du einen Tip ufer mich?

    Sei Herzlich Gegruesst von Conny

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