Mittwoch, 14. Januar 2015

Total beklöppelt, der kreative Start ins Neue Jahr!

Nettis Neujahrsraketen 2015

Na...alle gut ins Neue Jahr gekommen?! Ich hoffe doch, denn eigentlich muss man nicht viel tun. Außer vielleicht den Knallern ausweichen, rechtzeitig zum Essen erscheinen, nicht auf Blitzeis ausrutschen oder Alkohol nicht mit Mineralwasser verwechseln, vielleicht...
Nach den ruhigen Feiertagen freute ich mich auf einen großen Luxus: Vom 2. bis 4. Januar war ich beim Klöppel-Kurs mit Margarete Hund im schönen Wernau. Ja genau, Wernau am Neckar. Drei S-Bahn Haltestellen von mir entfernt. Das ist doch gar kein Urlaub (trotz Vollverpflegung und Übernachtung), möchte man meinen. Aber der Reihe nach:

Engel im Zimmer
Blick ins Zimmer
Meine Anreise war unspektakulär, von Blitzeis, Regen und einer verlorenen Rollkoffer-Rolle abgesehen. 1 km Fussweg können da sehr lang werden. Aber direkt am Eingang erwartete mich eine strahlende Katja, die mich wie einen VIP-Gast begrüßte, mich mit allen bekannt machte und mir mein Zimmer zeigte. So fühlte ich mich sofort gut aufgehoben und willkommen. Das Zimmer schlicht, aber zweckmäßig und sehr sauber, mit Fenstern auf zwei Seiten - sehr schön. Auch ein Willkommensgruß mit Schokolade wartete auf mich.

Nach dem Auspacken bin ich erwartungsfroh in den Kursraum gegangen, wo so nach und nach alle anderen Teilnehmer eintrafen, die sich untereinander z.T. gut zu kennen schienen. Es herrschte eine fröhliche und entspannte Stimmung. Margarete begrüßte uns alle herzlich und los gings. Ich hatte mich gleich neben Katja gesetzt, weil ich sie schon etwas kannte. Sie packte einen atemberaubend schönen Läufer aus (Ihre Klöppelarbeit) und all' Ihre Klöppelutensilien, die mehrere Taschen und Boxen umfassten. Auf meinem Tisch stand mein Mini-Nähkistchen, sonst nix - aber dann: Katja packte und packte langsam wurde mir klar, sie hatte Materialien für 2 Personen dabei und zwar für mich....wow! Ich bekam eine Tageslichtlampe, einen Klöppelständer, einen Klöppelsack, Nadel-Magnet, Nadeln, Klöppel, Umstecknadeln, und und und....es hörte gar nicht mehr auf alles aus Beständen entweder von Katja oder Kursleiterin Margarete.
Blick in den Kursraum, vorne links ist mein Arbeitsplatz.
Letztere zeigte mir dann 2 Klöppelbriefe (Musterzeichnungen) und was daraus werden würde. Entweder ein längliches Rechteck (Lesezeichen) oder einen Ring. Mir gefiel der Ring besser. Jetzt mussten aber erstmal die leeren Klöppel mit Garn gefüllt werden. Das ist gar nicht so leicht, denn man muss in die richtige Richtung wickeln...was ich mehrfach vergaß, weil die Unterhaltungen einfach so lustig waren und ich öfter mal abgelenkt. Aber hier half man mir mit geschickten und flinken Fingern weiter.
Meine Güte, das Garn ist sooo dünn und dennoch mehrfach gezwirntes Leinen. Als das endlich vollbracht war, es schien eeeeewig zu dauern, zeigte mir Magarete den Anfang des Leinenschlags. Ich verstand erst gar nix, das ging zu schnell. Deshalb durfte ich erstmal einen Flechter üben, um mich an die wackeligen Klöppel zu gewöhnen.

Das ist ein geflochtenes Band aus 4 Fäden, gefertigt mit dem Halbschlag. Drehen, kreuzen, drehen, kreuzen, drehen, kreuzen.....wie bei rechten und linken Maschen sind das festgelegte Bewegungen beim Klöppeln. Nach einer Weile sah mein Band auch tatsächlich geflochten aus und nicht mehr knotig und verdreht.
Anfänge im Leinenschlag
Dann endlich durfte ich an den Ring, vor dem ich nun noch mehr Respekt hatte. Dieser sollte nun im Leinenschlag gefertigt werden. Also ran....kreuzen, drehen, kreuzen...ich kann gar nicht sagen wie oft ich dabei durcheinander kam und die Bewegungen verkehrt herum machte. Man sieht jeden kleinen Fehler, weil das Gewebe durchsichtig ist. Gefühlte 100 Mal habe ich zurück-geklöppelt. Das konnte ich schnell am besten. Dadurch dauerte der Ring 1,5 Tage Arbeit mit nur noch 4 Fehlern.

Beinahe störend waren dann die Mittags-, Kaffee- und Abendessen-Pausen. Denn mir machte das Gefummel mit den feinen Fäden und den wackeligen Klöppeln, den allgegenwärtigen Stecknadeln richtig Spaß. Aber die Verpflegung war ausgezeichnet und jeder Unterbrechung wert! Einfach an den Tisch setzen und essen, prima. Die Tomatensuppe war ein Traum!


Schätze aus dem Keller
Besonders beliebt waren die Besuche im Keller, dort hatte Margarete Ihren Klöppel-Laden aufgebaut. Hach, so viele tolle unbekannte Werkzeuge! Handgearbeitete Klöppel aus Obstbaumhölzern, feinste Häkelnadeln, wahnsinnig viele Bücher, Garne in Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide sogar z.T. handgefärbt...ein Traum! Ich war natürlich mehrfach während der 3 Tage im Keller....




Nahaufnahme Halbschlag
Am wichtigsten war mir als ahnungslosem Anfänger das Üben! Echt! Ich wollte üben und üben um besser zu werden. Deshalb fragte ich auch nach Hausaufgaben, an denen ich daheim nun werkle. Denn zu meinem nächsten Kurs im März möchte ich die Grundschläge gut beherrschen können.
Hausaufgabe, Ring im Halbschlag.
Nachdem ich den Ring geschafft hatte, konnte ich das naturweisse Leinen nicht mehr sehen und klöppelte ein buntes Band mit Perlen. Hier war die Schwierigkeit höher, denn der Halb- und Leinenschlag mussten miteinander verbunden werden und das Garn meiner Wahl war sehr dunkel (Blau-Pink-Rot). Ausserdem hatte ich ein Risspaar (so etwas wie Kettfäden) in pinkfarbenem Metall und Perlen dabei. Nach 4 Fehlern habe ich aufgehört zu zählen...ist trotzdem ganz hübsch. Es wird meine selbstgebaute neue Klöppelkiste verzieren.
Das Armband entsteht, dahinter sieht man Katja an Ihrem tollen Läufer arbeiten.
Das fertige Armband trocknet gerade.


 So richtig gut hat mir die Atmosspähre im Kurs gefallen, hier saßen lauter Könner und wollten voneinander und vor allem von Margarete lernen. Aber nie in den 3 Tagen war jemand genervt, weil ich schon wieder fragen mußte. Oft hat mir Katja weitergeholfen, oder die nette Dame hinter mir, die eine große Eule klöppelte. Jeder lieh jedem was gerade benötigt wurde, das schien ganz normal und nix besonderes. Trotzdem - Vielen Dank! Echt entspannend, obwohl ich mich ganz stark konzentrieren musste um sauber zu arbeiten. In Gesellschaft dieser netten Frauen vergaß ich tatsächlich meinen Alltag und "war dann mal weg". Das hat gut getan!

Etwas Blaues, etwas Altes, etwas Geborgtes, etwas Neues,....so beginnen doch auch viele Ehen.
Links im Bild der Flechter, daheim mit blauem Baumwoll-Garn geklöppelt. Rechts der Beginn der Hausaufgabe.

Zum Abschluss konnte ich mir das nötige Material zum Üben daheim gebraucht kaufen oder ausleihen. Das ist sehr hilfreich, denn als Anfänger weiß man eher nicht welches Werkzeug wirklich gut und nützlich ist.

Tja, nun auch noch Klöppeln...ich habe Bilder in verschiedenen Techniken gesehen...da werde ich auf jeden Fall auch weben können müssen und Garn von Hand spinnen...oder stellt Euch mal eine handgewebte Stola mit Klöppelspitze vor... ich sehe es als Bereicherung meines Lebens und nicht als "noch ein Hobby".
 Solche "Hobbies" sind wichtiger als man (frau) denkt!
  
Mir hat diese Auszeit, wirkliche Erholung und neue Freunde geschenkt! Das bedeutet mir sehr viel! Dankeschön an alle Beteiligten - bis bald!
Eure Netti
PS: Eine klöppelnde Omi mit Spitzendeckchen war weit und breit nicht zu finden.

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