Donnerstag, 15. Juni 2017

Vom Flausch zum Sofakissen


An einem heißen Junitag 2015 begann das Abenteuer, von der rohen Faser zum fertigen Projekt. Was es werden sollte wusste ich am Anfang noch gar nicht. War neugierig auf den Verarbeitungsprozess. Ein ganzes Vlies habe ich mir nicht zugetraut, aber ein kleines Faserpaket schon. So wurde ich auf Etsy und auf Grazing Grass Acres aufmerksam, die von allen Kunden hochgelobt wurden. Das kann ich voll bestätigen.

Wie alles begann, Link zum Projektstart.

Heute tränen mir ein wenig die Augen wenn ich die wunderschönen Fasern auf dem Bild sehe. Heute hätte ich sie ganz anders behandelt. Aber ohne diesen Schritt hätte ich das wohl nicht gelernt. Mittlerweile wüsste ich, das ich die extrem feinen Rambouillet Fasern viel sensibler hätte behandeln müssen. Eine tolle Anleitung dazu hat Judith MacKenzie in ihrer DVD "A Spinners Toolbox". Nun, es ist dennoch etwas Gutes daraus entstanden.

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Als dann dieses "Garn" aus meinen so mühevoll und sehr liebevoll (aber Laienhaft) behandelten Fasern entstand, war mir echt zum Heulen. Das hatte ich mir anders vorgestellt! Die Fasern waren so weich! Und ich spinne ein knubbeliges dickes Garn daraus, übrigens nicht im langen Auszug, was vieles noch verbessert hätte. Hier mal der Link zum damaligen Ravelry Projekt.

Man spricht ja oft von Transformationen in der Faserwelt, und es ist keine Übertreibung: Erst fluffige, stark nach Schaf müffelnde, klebrige, gelbliche Fasern - dann schneeweißes Klümpchengarn ("Artyarn") - und nun...ich konnte es kaum fassen:

Auf dem Webrahmen entwickelten sich diese Klümpchen zu richtigen Stars, es war eine Freude damit zu Weben:
Hangesponnene Rambouillet Fasern (Strukturgarn) und ungesponnene Island-Plattenwolle
Bereits auf dem Rahmen fühlten sich die Fasern ganz kuschelig an. Nach einer Weile wurde es allerdings sehr anstrengend mit den etwas eintönigen Farben zu weben. Ich habe mich zwingen müssen....die ungesponnene Plattenwolle riss ständig beim kleinsten Zug und mir bald der Geduldsfaden. Irgendwie habe ich mich durchgekämpft....ich WOLLTE diese Kissen!


Nachdem das schier endlose Weben beendet war und ich stolz wie Bolle. ;-) Begann ein neuer Abschnitt für die Fasern aus dem fernen Amerika. Netti musste nähen....das kann ich nicht gut. Warum ich als Hotelfachfrau nicht auf Kissen mit Hotelverschluss kam wird wohl nie mehr zu klären sein. Ich hatte mir Reißverschlüsse eingebildet. Nach dem ersten Kissen streikte meine Nähmaschine, obwohl nichts Ungewöhnliches passiert war. Nun, sie ist ein preisgünstiges Model von Victoria und immerhin 17 Jahre alt geworden. Also gab es nun 2 Kissenhüllen von Hand zu nähen, was sich als schnell und einfach herausstellte.

Das Kissen in der Mitte zeigt stolz seinen Reißverschluss-Zipper
Im Moment kuschele ich mit ihnen als seien es zerbrechliche Wesen - so viel Mühe für 3 Kissenhüllen. Da bekommt man gleich noch mehr Respekt vor unseren Vorfahren, die jedes Textil von Hand herstellen mussten. Richtig gut kommt jetzt auch die gelblich beige Plattenwolle raus, die perfekt zum weißen Rambouillet passt.



Mein nächstes Traumprojekt wäre eine Decke in den gleichen Farben, etwas angerauhtes Mohair würde bestimmt super aussehen. Naja - ich lese lieber hier noch ein/zwei Mal nach, bevor ich wieder so ein Großprojekt starte. 

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