Für Socken spinnen - ein Abenteuer!

Nachdem der letzte Artikel über Material und Verwendung von Fasern zum Spinnen von Sockengarnen noch recht theoretisch ist, steigen wir heute mal in die Praxis sein...und sind gleich wieder bei theoretischen Fragen:
Bin bereits beim Zwirnen, aber zuvor gab es einige Fragen zu beantworten:

Also - Sockenfasern Eurer Wahl raus und los geht's! Schon kommt man wieder ins Stocken. Los?! Wie denn los? Spindel, Spinnrad? Welche Übersetzung? Welche Technik? Bitte nicht alles "ÜBER"- Denken, ein wenig Intuition und Mut hilft auch. Schaut Euch mal ein konventionelles Sockengarn an, wie dick ist es? Wieviele Zwirnfäden hat es? 

Realistischer Weise solltet ihr für den Anfang von 2 bis 3 Fäden beim Zwirnen ausgehen, also sollten Eure Einzelfäden entsprechend dünn und möglichst gleichmäßig sein. Wer sich das bildlich vorstellen möchte, kann sich ein Stück von konventionellem Sockengarn mit Hilfe einer Nadel in 2 bis 3 Längsteile aufteilen...und siehe da, man braucht nicht mal rechnen. Einfach auf eine (dem Faden kontrastierende) Karte kleben und schon hat man seine Vorlage. 


Etwas exakter geht es mit den WPI (Wicklungen pro Inch) und vor allem Spinntests. Letztere empfehle ich dringend, damit es wirklich keine bösen Überraschungen gibt. Wolle ist ein Naturmaterial... und wir alle fügen noch den Faktor Mensch hinzu, auch ein Naturmaterial... ☺ 

Ein Sockengarn hat zwischen 14 und 16 WPI*, bei einem 2-fach Garn hat der Einzelfaden 1,5 mal mehr WPI und bei einem 3-fach Garn etwa 2 mal mehr WPI. Es gibt im Internet Vorlagen. Man kann aber mit Hilfe eines WPI-Messers und seinen Spinnmustern auch ohne auskommen. 
14 WPI x 1,5 = 21    WPI
15 WPI x 1,5 = 22,5 WPI
16 WPI x 1,5 = 24    WPI

Also solltet Ihr einen Einzelfaden mit etwa 21-24 WPI spinnen, wenn Ihr 2fach zwirnen möchtet, bei 3fach Zwirnung wären es 28-32 WPI. 

Dann geht's mit den Fasern an Spindel oder Rad und nun wird ein Stück gesponnen, ein paar Meter sollten es schon sein, damit die Messung realistisch wird. Ihr könnt nun mit Eurer Musterkarte und oder dem WPI Messer Eure Garnstärke testen. Auch ein Zwirnmuster ist hilfreich, also Faden zurückziehen und mit sich selbst zwirnen lassen (kordeln). Euer Einzelfaden sollte leicht untersponnen sein, also sich noch recht zart anfühlen, Siehe dazu meinen Beitrag zuvor (Thema Elastizität). 

Hier mein gewickelter Einzelfaden.
Die Muster sollte man beim Spinnen immer in der Nähe haben, um im Verlauf immer wieder zu testen ob man noch "auf Kurs"  ist. 

Das Test-Thema kann man nun noch weiter ausbauen, indem man ein Probegarn anfertigt. Dieses dann strickt. Quasi die Probe aufs Exempel - ich gebe zu (schäm') das habe ich noch nie gemacht. 

Das hat etwas mit mir persönlich zu tun - ich will gar nicht alles wissen und schon gar nicht alles im Voraus berechnen** und mich dann noch daran halten. Da steht ein kleiner Rebell in mir auf und will Abenteuer erleben. Wenn es dann so richtig schief geht wird meine Kreativität wach und ich fange an Neues zu entdecken. Abenteuer eben - jedem das Seine. 

Viel Freude beim Sockengarn spinnen!
Eure Netti



Nachmessen konv. SoWo
(*)Die Angaben schwanken je nach Quelle stark. Es gab sogar Angaben mit 20 WPI für Sockenwolle. Deshalb habe ich selbst "nachgewickelt". Kam auf 15 WPI bei Sockenwolle. Je nachdem wie genau das Messgerät und wie stark der Zug beim Wickeln des Garns beim Messen ist...WPI ist letztlich auch nur eine "ungefähre Kunst". Deshalb empfehle ich das Herstellen eigener Muster. 

(**) Mathematik, wie alle Naturwissenschaften finde ich toll! Mein Lieblingsfach in der Schule war Physik. Ich könnte es berechnen, das ist mir auch wichtig und die Basis meiner Überlegungen. Aber die Natur und der menschliche Faktor sind das was für mich wirklich zählt. ❤



Kommentare